KL-7 Rotor-Chiffriermaschine

Kategorisierung:Chiffrier-Maschinen
Herkunft / Verwendung: Die KL-7 (auch Adonis, Pollux) ist nach Ende des 2. Weltkriegs von den nationalen Sicherheitsbehörden der USA (ASA, AFSA) entwickelt worden und war ab 1952 (auch bei anderen NATO-Staaten) im Einsatz. Bei der deutschen Bundeswehr wurde mit dem Gerät von 1960 bis 1985 gearbeitet1.

Die KL-7 war bei seinen Bedienern nicht besonders beliebt, weil die Bronze-Kontakte schnell korrodierten und dann auf die Tasten buchstäblich eingeschlagen werden musste, damit sie korrekt funktionierte. Auch das nach jedem Einsatz die Bronzekontakte an der Rotoren gesäubert werden mussten, sprach nicht für deren Alltagstauglichkeit. Hinzu kam, dass es aus Geheimhaltungsgründen den Bedienern verboten war, einzelne Kontakte durchzumessen, um deren Funktion zu überprüfen. Defekte Rotoren mussten unversehrt an die NSA gesandt werden, wo sie repariert wurden. Man vertraute NATO-Partnern wohl nicht genug und befürchtete, die interne Verdrahtung der Rotoren könnten ausspioniert werden.

1962 verkaufte US Offizier Joseph g. Helmich 1 detaillierte Unterlagen über die Maschine und Schlüssellisten an die Sowjets. Im selben Jahr verkaufte auch US-Marine Fernmeldespezialist John Walker1 weitere Informationen, u. a. Benutzerhandbücher, Schlüssel und Pläne nach Moskau. Erst 1983 2 bzw. 1985 1 wurde die Spionage aufgedeckt und die KL-7 in Folge ausgemustert. Soweit bekannt, konnte die KL-7 aber nie geknackt werden.

Aufbau und Bedienung


Es gibt zwei verschiedene Modelle der KL-7. Das Modell Pollux nutzt 8 Rotoren und war für die Verschlüsselung weniger sensitiver Nachrichten gedacht. Das Modell Adonis hingegen arbeitet mit 12 Rotoren und diente zur Verschlüsselung hochsensitiver Informationen.

Die Rotoren verfügen auf beiden Seiten über jeweils 36 elektrische Kontakte für die Buchstaben A bis Z und die Ziffern 0 bis 9. Im Gegensatz zur Enigma hat die KL-7 keine Umkehrwalze und vermeidet so eine der wesentlichen kryptographische Schwächen der deutschen Maschine. Da dadurch keine reziproke Bedienung (Entschlüsselung entspricht Verschlüsselung) möglich war, verfügte die Maschine über einen Wahlschalter mit den Stellungen O für Off (aus), P für Plain Text (Klartext), E für Encode (verschlüsseln) und D für Decode (entschlüsseln), der entsprechend einzustellen war.

Die Bedienung erfolgte, indem man die Maschine in die Ausgangsstellung, z. B. die Tageskonfiguration aus einem Codebuch, brachte, indem man die Walzen entsprechend einstellte. Danach gab man Buchstabe für Buchstabe ein und die entsprechenden Geheimbuchstaben wurden auf einen schmalen Papierstreifen ausgedruckt. Die KL-7 bot außerdem die Möglichkeit, den Text mithilfe eines Lochstreifens einzulesen.

Jede KL-7 wurde mit 12 Rotoren (von A bis L beschriftet) ausgeliefert. Der L-Rotor, der sogenannte NSA-Rotor fand seinen festen Platz an Position 4. Aus der Konfiguration der übrigen 11 Rotoren wurde ein Teil des Schlüssels gebildet.

Beispiel

Klartext:AAAAA AAAAA AAAAA AAAAA AAAAA AAAAA AAAAA AAAAA
Maschine:KL-7
Konfiguration:Rotor Core ABCD EFGH, Alphab. Ring 1111 1111, Notch Ring 123 4567, Notch Ring Set AAA AAAA
Chiffrat:IOMOY LVVYF EYBUC KEVSA DXGWN UUBFN BQBKQ VCQEI


Quellen, Literaturverweise und weiterführende Links

Foto der Rotoren von Mark Pellegrini (CC-BY-SA 2.5)
1Schmeh, Klaus: Die Welt der geheimen Zeichen, W3L 2004, S. 57
2C.A. Deavours: Helmich and the KL-7, Cryptologia, 6:3, 283-284, 1982
Die KL-7 auf der Website von Dirk Rijmenants
Die KL-7 auf der Website von cryptomuseum.com
Die KL-7 auf der Website von Jerry Proc
Über den Spion John A. Walker beim U.S. Naval Institute