Fialka Rotor-Chiffriermaschine

Kategorisierung:Chiffrier-Maschinen
Herkunft / Verwendung: Die Fialka (russisch für Veilchen) war eine sowjetische Rotor-Chiffriermaschine, welche in zahlreichen Ländern des Warschauer Pakts eingesetzt wurde. Das Ursprungsmodell, die M-125, wurde ab etwa 1955 in der UdSSR produziert. In der DDR wurde die Fialka M-125MN ab dem Jahr 1968 eingesetzt. Die Fialka M-125-3MN wurde schrittweise ab 1978 eingesetzt.

Als Grundlage und Vorbild für die Entwicklung der Fialka diente wohl die Enigma aus Kriegszeiten, warum sie auch manchmal als russische Enigma bezeichnet wird. Der Enigma und der Fialka sind die typische Umkehrwalze, die den elektrischen Strom-Fluß am Ende umkehrt und noch einmal durch die Walzen fließen lässt, gemeinsam. In Sachen kryptografischer Sicherheit ist die Fialka der Enigma aber weit überlegen.

Die Fialka wurde nur innerhalb der jeweiligen Staaten verwendet. In der entsprechenden Dienstanweisung wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass das Gerät nicht für den Nachrichtenaustausch mit anderen Staaten des Warschauer Paktes zu verwenden ist, hierfür wurden SAS- und Chiffriergeräte mit höherer Sicherheitsstufe verwendet, wie beispielsweise M 105 AGAT oder T 206 MT WESNA. In den einzelnen Organisationen (Polizei, Armee, Behörden, Geheimdienst) gab es gesonderte Versionen der Schlüsselscheiben.

Aufbau und Bedienung


Das Gerät ähnelt im Aussehen einem Fernschreiber. Es benötigt 24 Volt Gleichspannung, das separate Netzteil arbeitet mit 100 bis 250 Volt Wechselspannung (50 bis 400 Hz). Es gibt zwei Grundversionen der Fialka, die M-125 MN und die technisch anspruchsvollere M-125 3MN.

Die Eingabe erfolgt über eine Tastatur oder über den 5-Kanal-Lochstreifen. Die Ausgabe erfolgte entweder gedruckt auf gummierten Streifen oder gelocht und gedruckt auf 5-Kanal-Lochstreifenpapier, bei der M-125 3MN auch beides (gelocht und gedruckt).

Die M-125 MN und 3MN verfügen über zehn Schlüsselscheiben (Rotoren). Bei der M-125 MN werden zur Tagesschlüsseleinstellung nur die Schlüsselscheiben in ihrer Reihenfolge verändert. Die M-125 3MN verfügt über zerlegbare Schlüsselscheiben, dreh- und wendbaren Verdrahtungseinsätzen. Der Außenring ist entsprechend dem Tagesschlüssel einstellbar.

Als Eingangspermutation wird ein Kommutator verwendet. Dieser permutiert alle 30 Signale. Bei der Enigma wurde eine vergleichbare Eingangspermutation durch das Steckerbrett durchgeführt, bei dem höchstens dreizehn, jedoch in der Regel nur zehn Kabel gesteckt wurden.

Die zehn gegenläufigen Schlüsselscheiben sind für das kyrillische Alphabet ausgelegt und haben daher 30 Kontakte, im Gegensatz zu vielen westlichen Geräten, deren Rotoren 26 Kontakte haben, entsprechend dem lateinischen Alphabet. Die Tastatur der meisten Geräte hat eine Doppelbeschriftung, um sowohl für Nachrichten auf Russisch als auch in anderen Sprachen (z.B. deutsch, polnisch, tschechisch) verwendet werden zu können.

Die M-125 MN hat für die Sprachumschaltung einen kleinen Hebel, mit dem man den Typenkopf heben kann. Mit dem Heben des Typenkopfes ist "Kyrillisch" aktiviert. Dies ist notwendig, da man zum Erzeugen des Spruchschlüssels ein kyrillisches Zeichen benötigt. Mit dem so erzeugten Spruchschlüssel werden die Schlüsselscheiben an der Ableseleiste eingestellt.

Quellen, Literaturverweise und weiterführende Links

Foto der Fialka von Dave Clausen (CC-BY-SA 2.0)
Foto der Rotoren von Paul Hudson (CC-BY-SA 2.0)
Schmeh, Klaus: Die Welt der geheimen Zeichen, W3L 2004, S. 195
Weitere Informationen zur Fialka und deren Einsatz in der DDR auf der Website von Jörg Drobick
Die Fialka beim Deutschen Spionagemuseum
Die Fialka auf cryptomuseum.com
Die Fialka auf der Website von Tom Perera
Die Fialka auf der Website von Jerry Proc