Tüpfelchen zählen Code
| Kategorisierung: | Kodierungen / zahlenbasiert |
| Siehe auch: | Kringel zählen |
| Herkunft / Verwendung: |
Bekanntermaßen macht das Tüpfelchen auf dem i eine Sache perfekt. Sprachwissenschaftlich und auch in der Typografie wird der Punkt auf dem "i" als Diakritikum bezeichnet. Ein Diakritikum mit zwei Pünktchen wird auch als Trema bezeichnet. Viel öfter findet man aber die Bezeichnungen "i-Punkt", "Tüpfel", "Tüpfelchen" und für die Pünktchen auf Umlauten sagt man umgangssprachlich "Umlaut-Punkte". Wir wollen die Gesamtheit dieser über einem Buchstaben schwebenden Punkte "Tüpfelchen" nennen. Man kann in einem unscheinbaren Satz etwas verstecken, indem man einen Satz mit einer bestimmten Anzahl von Tüpfelchen ausstattet. Das fällt nicht sofort auf und kann man kann es durchaus in den Bereich der Steganografie einsortieren, der Kunst der "verdeckten Schreibens". Zählt ein Wissender die Tüpfelchen, kann er aus der Anzahl zum Beispiel wieder einen Buchstaben erzeugen (1=A, 26=Z), siehe auch Buchstabenwert. So können kurze Botschaften in einem unschuldig aussehenden Langtext versteckt werden. Natürlich kann dieser Code auch dafür benutzt werden, direkt Zahlen zu kodieren. Zum Beispiel um eine Tresorkombination oder die Geo-Koordinaten für Geocaching zu verstecken. In der zweiten Varianten werden nicht nur die Tüpfelchen gezählt, sondern auch die Punkte in Satzzeichen, wobei z. B. für das Semikolon ein Punkt gezählt wird und für den Doppelpunkt zwei. Das Grad- oder Prozentzeichen wird nicht gezählt, weil es hier kleine Kringel sind, keine Punkte. Die Anzahlen unterscheiden sich dementsprechend für beide Varianten. Interessant ist vielleicht auch, wie die Umlaut-Punkte entstanden sind. Die Lautverschiebung eines Buchstabens (z. B. a → ä) gibt es schon im Althochdeutschen (ca. 8.–11. Jh.). Damals schrieb man ein kleines e über den Vokal, um dies kenntlich zu machen. Selbstredend, dass bei kleineren Schriften ein winziges e schwer schreib- und lesbar war. Man begann deshalb, das e durch zwei kleine, nach rechts geneigte Striche zu ersetzen, die einfacher zu schreiben war. Und es war eigentlich auch egal, weil es außer dem e keine andere über Vokalen schwebende Kennzeichnung gab. Aus der schrägen Strichen wurde im Laufe der Zeit gerade und schließlich blieben nur noch die zwei kleinen Punkte übrig, wie wir sie heute benutzen. In der Fraktur-Schrift und auch in der Kurrentschrift (bis ins 20. Jh. gebräuchlich) wurden die Umlautzeichen oft als zwei kleine Striche gesetzt, weil es im Schriftbild besser passte. Punkte hätten im engen, dunklen Schriftbild der Fraktur leicht wie Tintenkleckse gewirkt - Striche waren hier klarer. Im Druck mit gebrochenen Schriften (Fraktur, Schwabacher Schrift) sieht man daher fast immer Striche statt Punkte. Mit der Antiqua-Schrift und ihren lateinische Buchstabenformen, wie wir sie heute verwenden, setzten sich die Punkte endgültig durch. Heute schreibt man fast ausschließlich Punkte, außer in Nachbildungen alter Fraktur oder künstlerischer Typografie, wo man noch die Striche findet. |
Beispiel
| Klartext: | Hier und jetzt führen wir eine neue Direktive ein. In einem zweiten Satz kann dann eine weitere Zahl versteckt sein. |
| Variante: | 1 - nur Tüpfelchen zählen |
| Anzahl: | 9, 5 |
| Variante: | 2 - Tüpfelchen und auch Satzzeichen-Punkte zählen |
| Anzahl: | 10, 6 |