Stenografie (Kurzschrift)


Herkunft / Verwendung: Stenografie (verkürzt umgangssprachlich auch "Steno") wird auch als Kurzschrift, Schnellschrift, Engschrift oder Tachygrafie bezeichnet und dient dazu, etwa schnell mitzuschreiben oder zu notieren.

Stenografie (griechisch für "eng schreiben") sollte nicht mit Steganografie (griechisch für "verborgen schreiben") verwechselt werden. Der Steganografie ist eine eigene Rubrik auf Kryptografie.de gewidmet.

Stenografie dient oft dazu, dass gesprochene Wort mitzuprotokollieren. Daraus ergibt sich, dass der Schreiber bei der Notation die Geschwindigkeit des gesprochenen Wortes erreichen muss. Dazu werden die einzelnen Wörter nicht ausgeschrieben, sondern verkürzt durch Elemente eines Stenografie-System dargestellt, von denen es unzählige standardisierte gibt. Viele Sekretärinnen, Journalisten und Protokollanten entwickelten auch persönliche Schnellschriften, die sich aus ihrer Handschrift ableiten.

Schon mit der Einführung von Diktiergeräten war es nicht mehr nötig, eine umständliche Schreibweise wie Steno zu erlernen, wenn man das gesprochene Wort doch magnetisch aufzeichnen und später immer wieder abspielen konnte, um es zum Beispiel mit der Schreibmaschine abzutippen. Diktiergeräte wurden bis zum Ende des zwanzigsten Jahrhundert immer günstiger und dann schließlich von digitalen Sprachaufzeichnungsgeräten abgelöst.

Heutzutage benutzt man eine App im Smartphone, um digital zu diktieren oder lässt die Sprache direkt mit einem Computerprogramm zur Spracherkennung in Text transkribieren. Doch damals gehörte das Erlernen eines Steganografie-Systems zu jeder Ausbildung zum Beispiel einer Sekretärin. Und bei Gericht gab es einen extra Stenografen, der die Verhandlung mitprotokollierte.

So kommt es auch, dass es zahlreiche "unlesbare" Aufzeichnungen in Schnellschrift gibt, die viele für einen Code oder eine Chiffre halten. Und genaugenommen handelt es sich bei Steno ja auch um eine Kodierung. Nur das es sich nicht um einen Geheimcode handelt, sondern um ein Stenografie-System, die es in vielen Standards gibt. Häufig entwickelt sich das Aussehen eines Steno-Systems aus der verwendeten Sprache heraus.

Moderne Stenografiesysteme sind ihrem Wesen nach Buchstabenschriften. Sie enthalten aber auch Elemente aus der Silbenschrift sowie Kürzel für ganze Wörter. Außerdem werden bestimmte Laute und festgelegte Silben durch Symbole dargestellt, was die Schreibgeschwindigkeit erhöht.

Stenografiesysteme waren schon den antiken Griechen und Römern bekannt (als "Tironische Noten") und wurden bis ins Mittelalter als "Akten- und Kanzleischrift" genutzt. In der Neuzeit waren geometrische Kurzschriftsysteme seit Ende des 16. Jahrhunderts insbesondere in England und Frankreich weit verbreitet.

Das erste deutschsprachige Stenografielehrbuch veröffentlichte 1678 Charles Aloysius Ramsay unter dem Titel "Tacheographia". Das System geht auf die altgeometrische englische Kurzschrift von Thomas Shelton zurück und wurde ab 1787 an einer württembergischen Universität, der Hohen Karlsschule, gelehrt.

Der bayerische Ministerialbeamte Franz Xaver Gabelsberger begründete die aus der Schreibschrift abgeleitete kursive deutsche Stenografie. Sie wird wegen ihres Schriftduktus als kursiv oder grafisch bezeichnet. Gabelsbergers Hauptwerk "Anleitung zur Deutschen Redezeichenkunst" von 1834 gilt als Meilenstein der Stenografiegeschichte.

Weitere bekannte deutsche Systemerfinder waren Heinrich August Wilhelm Stolze (1798–1867), Leopold Arends (1850), Heinrich Roller (1839–1916), August Lehmann, Carl Faulmann, Ferdinand Schrey (1850–1938), Karl Scheithauer und die Gebrüder Albrecht und Felix von Kunowski. Insgesamt wird die Gesamtzahl deutscher Kurzschriftsysteme auf 800 bis 900 geschätzt.

Beispiele von Steno-Schriften und Übersetzung der Zeichen / Kürzel

Stenografie-System Scheithauer/Steinmetz von 2020



Deutsche Einheitskurzschrift von 1968



System Scheithauer in der Schriftform von 1896



Übersetzung der letzten drei Zeilen: "Das deutsche Volk wünscht aus aufrichtigstem Herzen, mit allen seinen Kräften mitzuhelfen an dem großen Werk einer allgemeinen Versöhnung und Verständigung der europäischen Nationen"

System Teeline (englisch) in der Schriftform von 1968



Wortbeispiele:





Quellen, Literaturverweise und weiterführende Links