Geheime Polizei-Schrift nach Vergenne
| Kategorisierung: | Kodierungen / symbolbasiert |
| Herkunft / Verwendung: |
Die geheime Polizeischrift ist eine Methode der Steganografie. Das heißt, die Hauptabsicht ist hier nicht das Verschlüsseln, sondern das Verbergen beziehungsweise Tarnen von geheimen Information. Die geheime Polizeischrift diente dazu, Eigenschaften über eine Person in dem Zierwerk einer Aufenthaltsgenehmigung oder eines Passes für diese Person zu verstecken, ohne dass diese davon etwas wusste. So zeigte die Person den Ausweis freiwillig vor und nur die Staatsbediendestens wussten die Geheiminformationen zu deuten. Jeder ausländische Diplomat bekam damals um 1780 in Paris eine solche Aufenthaltsgenehmigung ausgestellt. Die Urkunden sind gespickt mit geheimen Symbolen, die sich nahtlos in das Gesamtbild einbetten und nur für Wissende, nämlich Polizei- und Grenzbeamte einen weitergehenden Sinn ergeben.
Der französische Außenminister Charles Gravier, comte de Vergennes (geboren am 20. Dezember 1717 in Dijon, verstorben am 13. Februar 1787 in Versailles) gilt als Erfinder des Verfahrens. Er selbst oder ein mit ihm in Verbindung stehender Autor schrieb in dem 1793 erschienen Buch (nach dem Tod Vergennes, in dem Vergennes selbst als Autor genannt wird) die Details zum Code unter dem etwas sperrigen Titel "Geheime Polizey-Schrift des Grafen von Vergennes: Als ein Beweis der feinen Politik des ehemaligen Kabinets in Versailles unter der Regierung des unglücklichen Königs Ludwigs des Sechszehnten" (1) nieder und gab das Buch an einen Kreis von Diplomaten weiter.Der Autor ist im Vorwort dieses Buches voller Lob für Vergennes: Schon in den letzten Regierungsjahren Ludwigs XV. fing das Kabinet zu Versailles an, eine geheime Polizei-Schrift einzuführen, die aber erst durch den Grafen von Vergennes, unter der Regierung des unglücklichen Königs Ludwigs des Sechszehnten, eine solche Ausdehnung und Vollkommenheit erhielt, wie man sie von diesem feinen Staatsmanne erwarten konnte, und da er es hauptsächlich war, der sich um die bessere Einrichtung und Vervollkommnun dieser geheimen Polizei-Schrift verdient gemacht hatte: so wurde sie auch nach seinem Namen die geheime Polizei-Schrift des Grafen von Vergennes genannt.Über den Zweck der Unterrichtung gewisser Kreise über die geheime Polizei-Schrift wird geschrieben: Vergennes vertraute diese geheime Polizei-Schrift jedem Minister Frankreichs, besonders jedem Ambassadeur, Residenten, Konsul und Agenten, der von Frankreich an auswärtige Höfe, Freistaaten und Reichsstädte geschickt wurde, als ein Staatsgeheimnis an, mit dem Auftrag, sich dieser geheimen Polizei-Schrift in allen Empfehlungs-Schreiben zu bedienen, die ihnen von Fremden, welche nach Paris reisen wollten, abgefodertert werden würden.Johann Ludwig Klüber war wohl an eines der Exemplare des Buches herangekommen und publizierte den Code 1809 in seinem Buch Kryptographik (4), womit es weithin bekannt wurde. Während sich Vergennes (bzw. der Buchautor) sich selbst als Erfinder der geheimen Polizei-Schrift bezeichnet, merkt Klüber in seinem Buch an, dass ein gewisser Herr Johannes Ferdinand Opitz, Bankalgefäll-Inspektor zu Tschaslau in Böhmen, der wahre Erfinder seit 1783 sei und der Herr Graf Maximilian von Lamberg dafür Zeuge sein. Wie dem auch sei, möchte ich diesen Code Geheime Polizei-Schrift nach Vergenne nennen, weil ich mich im Weiteren auf die Ausführungen im Buch von Vergenne beziehen werde. Für Außenstehende sind die versteckten Hinweise (hinzugefügte Symbole, Wellenlinien und Klammern; sogenannte Semagramme) nur schmückendes Beiwerk. Doch für Eingeweihte läßt sich aus allerhand etwas ableiten: die Farbe des Papier gibt das Herkunftsland an; die Einfassung des Rahmens das Aussehen, die persönlichen Verhältnisse und die Absicht der Reise; das Satzzeichen hinter dem Namen die Religion; der Zug unter dem Namen den inneren Charakter und die Zahlen für die Nummerierung die Kenntnisse der Person. Das Ausstellen von Aufenthaltsgenehmigung machte mit all diesen künstlerisch anmutenden Verzierungen, wie sie auch in der Heraldik bei Wappendarstellungen üblich sind, viel Arbeit. Aber die Zeichnungen mussten schön und detailliert sein, um nicht den Eindruck zu erwecken, hier wurde mal schnell etwas markiert. Schließlich vereinfachte Vergenne die polizeiliche Geheimschrift und benutzte nur noch die bloße Nummerierung, bei der das Aussehen der Buchstaben und Zahlen die geheimen Informationen verbargen (siehe zweite Spezifikation). |
Spezifikation des Verfahrens Geheime Polizei-Schrift nach Vergenne
Das Empfehlungsschreiben / die Aufenthaltsgenehmigung wird in Form eines Billet ausgegeben, die folgende versteckten Informationen über die Person, auf den sie ausgestellt ist, enthält:- A) Herkunftsland
- B) Äußeren Umstände
- C) Absicht des Reisenden
- D) Religion
- E) Innerer Charakter
- F) Kenntnisse
A) Herkunftsland
Das Herkunftsland wird durch die Hintergrundfarbe des Billets bestimmt und zwar durch die zwei Farben der oberen und der unteren Hälfte. Ist ein Billet einfarbig, so haben beide Hälften die selbe Farbe.| v Farbe oberer Teil Farbe unterer Teil > |
weiß | rot | blau | gelb | grün | grau |
|---|---|---|---|---|---|---|
| weiß | Portugal | Parma | Modena | Venedig | Genau | Lucca |
| rot | Florenz | Spanien | Kirchenstaat | Sizilien | Schweiz | Mainz |
| blau | Trier | Köln | Frankreich | Böhmen | Pfalz / Bayern | Sachsen |
| gelb | Preussen | Hannover | ___ | England | Land eines geistlichen Reichsfürsten | Land eines weltlichen Reichsfürsten katholischer Religion |
| grün | Land eines weltlichen Reichsfürsten evangelischer Religion | jede Reichsstadt | Dänemark | Schweden | Holland | Russland |
| grau | Polen | Türkei | Inner-Österreich | Ungarn | Österreichisch Polen | Sardinien |
Außerdem definiert durch die Farben linke Hälfte weiß und rechte Hälfte ...
...rot: Österreichische Niederlande
...blau: Österreichisch Italien
...gelb: Mähren
...grün: Tirol
...grau: Vorder-Österreich
...blau: Österreichisch Italien
...gelb: Mähren
...grün: Tirol
...grau: Vorder-Österreich
B) Äußeren Umstände
Die äußeren Umstände der Person werden durch den Rahmen / die Einfassung festgelegt:a) das Alter durch die Form:
bis 25 Jahre: ein Kreis
bis 35 Jahre: ein Oval
bis 45 Jahre: ein Achteck
bis 55 Jahre: ein Sechseck
bis 60 Jahre: ein Quadrat
über 60 Jahre: ein längliches Rechteck
b) Wuchs der Person durch die Linienform und den Abstand:
groß und schön gewachsen: Linien, die weit auseinander stehen und wellenförmig sind.
groß und schlecht gewachsen: gerade Linien, die weit auseinander stehen
mittelgroß und schön gewachsen: Linien, die enger aneinander stehen und wellenförmig sind.
mittelgroß und schlecht gewachsen: gerade Linien, die enger aneinander stehen.
klein und schön gewachsen: Linien, die ganz eng aneinander stehen und wellenförmig sind.
klein und schlecht gewachsen: gerade Linien, die ganz eng aneinander stehen.
bucklig: es werden zudem an beiden Seiten des Rahmens Verzierungen angebracht.
krumm und schief: es werden zudem an der unteren Seite des Rahmens Verzierungen angebracht.
lahm: es werden zudem über dem Gesichtszeichen oder auch über der Muschel (siehe später) Verzierungen angebracht.
c) die Gesichtsbildung wird durch Gesichtszeichen ausgedrückt, die in der Mitte des Rahmen angebracht werden:
schön und freundlich: Rose oben im Rahmen
schön und ernsthaft: Tulpe oben im Rahmen
mittelmäßig schön und freundlich: Sonnenblume oben im Rahmen
mittelmäßig schön und ernsthaft: Narzisse oben im Rahmen
garstig und freundlich: ein Satirskopf oben im Rahmen
hässlich und ernsthaft: ein gehörnter Widderkopf oben im Rahmen
bei einem Augenfehler: über das Gesichtszeichen werden ein oder zwei schwarze Punkte gesetzt.
d) andere äußere Umstände der Person:
verheiratet: der gesamte Rahmen wird mit einem Band umwunden.
Reichtum: bis zu 12 Knöpfe werden dem Rahmen hinzugefügt, wobei mehr Knöpfe mehr Reichtum bedeuten. Vier Knöpfe bedeuten "nicht arm" und das Weglassen von Knöpfen bedeutet "arm".
trägt eine Perücke: Es wird eine Muschel hinzugezeichnet, die hinter dem Gesichtszeichen (die Blume) hevorragt.
C) Absicht des Reisenden, Zweck der Reise
Heirat: Das Umwindung des Band um den Rahmen reicht nur bis zur Hälfte.auf der Suche nach geistlichem Amt: es wird ein kleiner Kreis hinzugefügt zwischen den Rahmenlinien, dem Gesichtszeichen gegenüber.
auf der Suche nach zivilen Diensten: es werden zwei kleine Kreise hinzugefügt zwischen den Rahmenlinien, oben auf beiden Seiten des Gesichtszeichens.
auf der Suche nach Kriegsdiensten: es werden vier kleine Kreise symmetrisch hinzugefügt zwischen den Rahmenlinien.
Wechsel-Geschäfte: es werden sechs kleine Kreise in genügendem Abstand voneinander zwischen den Rahmenlinien hinzugefügt.
kaufmännische Pflichten oder Spekulationen: ein kleines Oval zwischen den Rahmenlinien unten, dem Gesichtszeichen gegenüber, wird hinzugefügt.
Gelehrter auf der Suche nach Kenntnissen: zwei kleine Ovale zwischen den Rahmenlinien auf beiden Seiten des Gesichtszeichen werden hinzugefügt.
Erbschaft: vier kleine Ovale werden wie zuvor angebracht.
Verwandtenbesuch: sechs kleine Ovale werden zwischen den Rahmenlinien angebracht.
Staatsabsichten und Diplomaten: acht kleine Ovale werden zwischen den Rahmenlinien angebracht.
D) Religion
Die Religion wird durch ein Zeichen nach dem Namen kenntlich gemacht:Atheist: kein Zeichen
Naturalist: ein Punkt
Katholik oder Grieche: ein Doppelpunkt
evangelisch, Lutheraner: ein Semikolon
Reformierter: ein Komma
Jude: ein Strich (-)
E) Innerer Charakter
Der innerer Charakter der Person wird durch ein Verzierungen unter dem Namen angezeigt:a) Geisteseigenschaften:
einsichtig: eine geschweifte Klammer unter dem Namen.
einfältig und dumm: eine gerade Linie unter dem Namen.
närrisch: eine geschwungene Linien aus Achtern unter dem Namen.
leichtsinnig: eine Wellelinie unter dem Namen.
b) Herzenseigenschaften:
ehrlich und redlich: zwei Striche (") unter dem Schlusszeichen unter dem Namen
verschwiegen: zwei Striche an beide Seiten des Schlusszeichens (" ")
betrügerisch: Verzierung in Form eines liegenden Acht mit Schnörkel.
c) Haupt-Eigenschaften:
Spieler: ein Punkt über dem Schlusszeichen.
verliebt: ein Punkt unter dem Schlusszeichen.
Trinker: kurzer, waagerechter Strich unter dem Schlusszeichen.
F) Kenntnisse
Die Kenntnisse der Person werden durch Ziffern ausgedrückt, die zusammengesetzt wie die Billetnummer aussehen:Dabei steht ...
1 für gottesgelehrt
2 für rechtsgelehrt
3 für Kenntnisse in der Arzneiwissenschaft
4 für Kenntnisse in der Naturkunde
5 für Kenntnisse in der Staatskunde
6 für Kenntnisse in der Mathematik
7 für Kenntnisse in Sprachen
8 für Kenntnisse in der Schriftstellerei
9 für Kenntnisse in den mechanischen Künsten
0 für geringere Kenntnisse in der Kategorie, dem die Null folgt.
2 für rechtsgelehrt
3 für Kenntnisse in der Arzneiwissenschaft
4 für Kenntnisse in der Naturkunde
5 für Kenntnisse in der Staatskunde
6 für Kenntnisse in der Mathematik
7 für Kenntnisse in Sprachen
8 für Kenntnisse in der Schriftstellerei
9 für Kenntnisse in den mechanischen Künsten
0 für geringere Kenntnisse in der Kategorie, dem die Null folgt.
Die Ziffern sind in der Reihenfolge der Stärke der Kenntnis zu sortieren. Wissenschaften, in denen sich die Person besonders gut auskennt, werden zuerst genannt.
Ist die Zahl mit einer geschweiften Klammer unterzogen, so bedeutet das, das die Person das Wahre und Wesentliche in den Wissenschaften kennt; fehlt die Klammer, so kennt die Person nicht die Wahrheit.
Beispiele Geheime Polizei-Schrift nach Vergenne
Die Bilder rechts zeigen jeweils ein Billet, eine Aufenthaltsurkunde für Paris um 1780 als Beispiel. Die versteckte Hinweise, und wie diese versteckt sind, sind links daneben aufgeführt.Alphons d'Angeha

- Herr Alphons d'Angeha ist Portugiese (weißes Papier)
- unter 45 Jahre alt (Rahmen achteckig)
- groß gewachsen (breiter Rahmen)
- schlecht gewachsen (Rahmen aus geraden Linien)
- vom Gesicht her mittelmäßig schön aber freundlich (Sonnenblume oben in der Mitte)
- verheiratet (Rahmen mit Band umwunden)
- nicht arm (vier Knöpfe zieren den Rahmen)
- trägt eigenes Haar (keine Perücke, wie damals üblich, da keine Muschel hinter der Sonnenblume)
- sucht Kriegsdienste (vier kleine Kreise zwischen den Einfasungslinien)
- ist katholisch (Doppelpunkt hinter Namen)
- ist leichtsinnig (Wellenlinie unter Namen);
- ist einsichtig (geschweifte Klammer unter Wellenlinie)
- ist ehrliebend (zwei Striche über dem Zeichen des Leichtsinnes)
- ist verliebt (Punkt unter Zeichen der Einsicht)
- versteht sich in Mathematik (vorzüglich), Staatskunde und Sprachen (Nummerierung des Dokuments "657")
- erkennt die Wahrheit (unter den Zahlen steht eine geschweifte Klammer)
Esquire de Gray

- Esquire de Gray ist Engländer (gelbes Papier)
- ist bis 35 Jahre alt (ovaler Rahmen)
- ist groß von Person (weit auseinander liegende Rahmenlinien)
- ist schön gewachsen (Rahmen besteht aus Wellenlinien)
- hat ein schönes Gesicht, guckt aber ernsthaft (Tulpe oben in der Mitte)
- ist verheiratet (Rahmen mit Band umwunden)
- ist sehr reich (gleich zwölf Knöpfe zieren den Rahmen)
- trägt eine Perücke (hinter der Tulpe lugt eine Muschel hervor)
- reist als Gelehrter (zwei kleine Ovale auf den Seiten der Tulpe)
- ist evangelisch (das Semikolon hinter seinem Namen)
- besitzt viel Einsicht (geschweifte Klammer als Schlusszeichen unter seinem Namen)
- ist redlich (" über dem Schlusszeichen)
- ist verschwiegen (Schlusszeichen ist mit " links und rechts " eingefasst)
- liebt das Spiel (neben den beiden Strichen über dem Schlusszeichen steht noch ein Punkt)
- er hat Kenntnisse in Rechtsgelehrsamkeit und Staatskunde (Billetnr. 25)
- er kennt die Wahrheit über die Wissenschaften (unter den Zahlen steht eine geschweifte Klammer)
Spezifikation des vereinfachten Verfahrens
Die verborgenden Information befindet sich nur noch in der Billet-Nummerierung ("N. 123.") und sich auf folgende Art und Weise kodiert:A) die Körpergröße wird durch das Aussehen des Buchstaben N:
| Aussehen | Beschreibung | Körpergröße |
|---|---|---|
![]() | großgeschriebenes N, mächtig mit Serifen und breitem Querstrich | groß |
![]() | großgeschriebenes N, schmaler mit Serifen nach innen | mittelgroß |
![]() | kleingeschriebenes N | klein |
![]() | kleingeschriebenes N, klein | unbekannt |
B) der Familienstand durch Zusätze zum N:
Das N wird doppelt durchgestrichen, falls die Person verheiratet ist.
Ledige erhalten keine Durchstreichungen.
Ist der Familienstand unklar, wird dem N eine Null oder ein O angefügt ("No.").
Bei Unklarheit, aber der Vermutung auf Verheiratet, wird das N doppelt durchgestrichen (No.")
C) Tragen einer Perücke durch Zeichen unter dem N:
trägt eine Perücke: Wellenlinie unter N.
trägt eigenes Haar: geschweifte Klammer unter N.
D) Herkunftsland durch Zahlen:
Das Herkunftsland wird durch eine Zahl zwischen 1 und 40 spezifiziert. Bei zweistellige Zahlen werden die Ziffern dicht zusammengeschrieben, um deren Zusammenhörigkeit kenntlich zu machen:
1 Portugal, 2 Spanien, 3 Frankreich, 4 England, 5 Holland, 6 Sardinien, 7 Parma, 8 Modena, 9 Venedig
10 Genua, 11 Lucca, 12 Florenz, 12 Kirchenstaat, 14 Sizilien, 15 Schweiz, 16 Mainz, 17 Trier, 18 Köln, 19 Böhmen
20 Pfalz/Bayern, 21 Sachsen, 22 Preußen, 23 Hannover, 24 Land eines geistlichen Reichsfürsten, 25 Land eines weltlichen Reichsfürsten katholischer Religion, 26 Land eines weltlichen Reichsfürsten evangelischer Religion, 27 jede Reichsstadt, 28 Dänemark, 29 Schweden
30 Russland, 31 Polen, 32 Türkei, 33 Inner-Österreich, 34 Ungarn, 35 Österreischisch Polen, 36 Österreischische Niederlande, 37 Österreischisch Italien, 38 Mähren, 39 Tirol
40 Vorder-Österreich
E) Alter der Person:
Auch das Alter wird durch eine Ziffer ausgedrückt:
1: bis 25 Jahre
2: bis 30 Jahre
3: bis 35 Jahre
4: bis 40 Jahre
5: bis 45 Jahre
6: bis 50 Jahre
7: bis 55 Jahre
8: bis 60 Jahre
9: über 60 Jahre
F) Innere und äußeren Eigenschaften der Person:
Durch einen Bruch ausgedrückt, wobei der Zähler die inneren und der Nenner die äußeren Werte angibt. Es wird jeweils eine passende Ziffer ausgewählt. Zusammengehörige Zahlen werden wieder dicht zusammengeschrieben.
a) innere Werte (Zähler):
Geisteskraft:
5, 9: viel Einsicht
2, 6: wenig Einsicht
3, 7: dumm
4, 8: närrisch
1: unbekannt
Sinnesart:
1, 3, 5, 7, 9: leichtfertig
2, 4, 6, 8: gesetzt
0: unbekannt
Hauptleidenschaft:
4, 7, 5: verliebt
3, 8, 1: Trinker
2, 6, 9: Spieler
0: unbekannt
Vermögen:
1, 3, 6: reich
4, 7, 5: nicht arm
2, 8, 9: arm
0: unbekannt
b) äußere Werte (Nenner):
Leibeswuchs:
5: schön
9, 2: schlecht
6, 3: schief
7, 4: bucklig
8: lahm
1: unbekannt
Gesichtsbildung:
1, 9, 7: schön
5, 6: mittelmäßig
2, 3: hässlich
4. 8: einäugig
0: unbekannt
Mienen und Gebärden:
1, 3: freundlich
7, 4: ernsthaft
5, 8: stolz
2, 6: betrübt
9: unbedeutend
0: unbekannt
Absicht der Reise:
2: Heirat
5: sucht Zivildienst
1: sucht Kriegsdienst
7: Wechselgeschäfte, Spekulation oder Handelsgeschäfte
4: Erholungsurlaub, zum Spaß
9: Erbschaft
3: Verwandtenbesuch
6: reist mit geheimen Aufträgen eines fremden Hofes
8: reist als Gelehrter
0: unbekannt
G) Beruf und Stand :
Hier werden folgende Zahlen verwendet:
1: Geistlicher
2: Soldat
3: Künstler
4: Kaufmann
5: Komödiant
6: Privatbeamter
7. Staatsbeamter
8. Privatmann
9. Werber
G) Kenntnisse:
Hier werden folgende Zahlen verwendet:
1 für gottesgelehrt
2 für rechtsgelehrt
3 für Kenntnisse in der Arzneiwissenschaft
4 für Kenntnisse in der Naturkunde
5 für Kenntnisse in der Staatskunde
6 für Kenntnisse in der Mathematik
7 für Kenntnisse in Sprachen
8 für Kenntnisse in der Schriftstellerei
9 für Kenntnisse in den mechanischen Künsten
0 für geringere Kenntnisse in der Kategorie, dem die Null folgt.
I) Verschwiegenheit:
Ist eine Person verschwiegen, werden die Attribute E, F, G in Anführungsstriche eingefasst.
K) Unbekanntes:
Unbekanntes wird durch einen waagerechten Strich (-) gekennzeichnet.
L) Ehrlichkeit / Redlichkeit:
Ist die Person ehrlich und redlich, so wird eine geschweifte Klammer unter den Namen gesetzt. Ist eine Person der Unredlichkeit verdächtig, wird ein langer gerade Strich unter den Namen gesetzt und bei bewiesen betrügerischen Absichten wird eine Wellenlinie benutzt.
M) Religionsangehörigkeit:
Die Religion wird (wie auch schon ursprünglich) durch ein Zeichen nach dem Namen kenntlich gemacht:
Atheist: kein Zeichen
Naturalist: ein Punkt
Katholik oder Grieche: ein Doppelpunkt
evangelisch, Lutheraner: ein Semikolon
Reformierter: ein Komma
Jude: ein Strich (-)
N) Wissen um die Wahrheit:
Kennt die Person die Wahrheit, so wird unter die Kenntnis- und Standeszahlen eine geschweifte Klammer gesetzt.
Anordnung der Zeichen und Zahlen:
- links oben auf dem Billet steht das Zeichen der Körpergröße, des Ehestandes und des Haares
- gleich danaben folgen die Nationalitäts und Alters-Ziffern
- Neben diesen stehen acht Ziffern aus Tabelle F als ein Bruch: vier Zahlen als Zähler und vier Ziffern als Nenner. Dies gibt innere und äußere Werte an.
- rechts oben auf dem Billet stehen die Ziffern für Kenntnisse und Berufsstand
- in der Mitte des Billets steht der Name der Person
- gleich hinter dem Namen steht das Religionskennzeichen
- unter dem Namen das Ehrlichkeitszeichen
Beispiele für das vereinfachte Verfahren Billet-Nr.
Die Bilder rechts zeigen jeweils ein Billet, eine Aufenthaltsurkunde für Paris als Beispiel. Die versteckte Hinweise, und wie diese versteckt sind, sind links daneben aufgeführt.Frederic Adolph de Sprinthal

- Frederic Adolph de Sprinthal ist eine große Person (mächtiges N bei Attribut A)
- ob er verheiratet ist, ist unbekannt; vermutlich ist er aber ledig (o nach dem nicht durchgestrichenen N, siehe Attribut B)
- er trägt keine Perücke (Wellenlinie unter N, siehe Attribut C)
- er ist in Pfalzbayern geboren (ausgedrückt durch die "20" bei "20 7", siehe Tabelle D)
- er ist zwischen 50 und 55 Jahre alt (die "7", siehe Tabelle E)
- er ist verschwiegen (erkennbar an den Anführungszeichen um "20 7", siehe Attribut I)
- er besitzt viel Einsicht (die erste Ziffer "5" im Zähler des Bruchs, Tab. F)
- er ist von gesetztem Wesen (die zweite Ziffer "4" im Zähler des Bruchs, Tab. F)
- er ist aber ein Spieler (die dritte Ziffer "6" im Zähler des Bruchs, Tab. F)
- er ist nicht arm (die vierte Ziffer "7" im Zähler des Bruchs, Tab. F)
- er ist von schöner Gestalt (die erste Ziffer "5" im Nenner des Bruchs, Tab. F)
- vom Gesicht her aber nur mittäßig schön (die zweite Ziffer "6" im Nenner des Bruchs, Tab. F)
- seine Miene ist ernsthaft (die dritte Ziffer "7" im Nenner des Bruchs, Tab. F)
- er ist auf der Suche nach Kriegsdienst (die dritte Ziffer "1" im Nenner des Bruchs, Tab. F)
- er versteht sich auf Staatskunde (die "5" in "5672" oben rechts auf dem Billet, siehe Tab. F)
- und auch Mathematik (die "6" in "5672" oben rechts auf dem Billet, siehe Tab. F)
- als auch auf Sprachen (die "7" in "5672" oben rechts auf dem Billet, siehe Tab. F)
- und er ist Soldat (die "2" in "5672" oben rechts auf dem Billet, siehe Tab. G)
- er kennt die Wahrheit (unter der "5672" oben rechts auf dem Billet steht eine geschweifte Klammer, siehe Tab. N
- er ist katholisch (Doppelpunkt hinter Namen, Siehe Tab M)
- er ist ein Betrüger (Schlangenlinie unter seinem Namen)
Pierre Henri de Vlyten

- kleine Statur (n)
- verheiratet (
n) - trägt eigenes Haar (geschweifte Klammer unter n)
- ist Holländer (n 5 5)
- 40 bis 45 Jahre alt (n 5 5)
- wie einsichtig er ist, ist nicht bekannt (1346)
- er ist leichtsinnig (1346)
- und verliebt (1346)
- aber reich (1346)
- er ist schief gewachsen (6937)
- aber schön vom Gesicht her (6937)
- hat eine freundliche Miene (6937)
- betreibt Wechselgeschäfte (6937)
- versteht sich in Recht (24)
- ist Kaufmann (24)
- es ist unbekannt, ob er die Wahrheit kennt (keine geschweifte Klammer um die 1346/6937)
- und auch, ob er verschwiegen ist (keine Anführungszeichen um die 24)
- er ist reformierter Religion (, hinter Namen)
- und ein ehrlicher Mann (geschweifte Klammer unter Namen)
Seigneur de Saccarini

- mittelgroß (N)
- unverheiratet (N)
- trägt Perücke (Wellenlinie unter N)
- kommt aus Sardinien (6-)
- sein Alter ist unbekannt (6-)
- er besitzt viel Einsicht ("5239/7246")
- ist von gesetztem Wesen ("5239/7246")
- liebt das Trinken ("5239/7246")
- ist arm ("5239/7246")
- er ist bucklig ("5239/7246")
- und hat ein hässliches Gesicht ("5239/7246")
- er guckt ernsthaft ("5239/7246")
- er reitet mit geheimen Aufträgen ("5239/7246")
- er versteht sich auf Sprachen ("759")
- und auch auf Staatskunde ("759")
- und ist Werber ("759")
- er ist verschwiegen ("5239/7246")
- und Naturalist (Saccarini.)
- die Wahrheit kennt er nicht ("759" ohne geschweifte Klammer darunter)
- und er ist ein Betrüger (Schlangenlinie unter seinem Namen)
Quellen, Literaturverweise und weiterführende Links
(1) "Vergennes, Charles Gravier de": Geheime Polizey-Schrift des Grafen von Vergennes, Johann Georg Ernst Wittekindt Verlag, Eisenach 1793
(2) Klüber, Johann Ludwig: Kryptographik. Lehrbuch der Geheimschreibekunst, J. G. Cotta'sche Buchhandlung, Tübingen 1809
(3) Avé-Lallemant, Friedrich Christian Benedikt: Das Deutsche Gaunerthum, Bd. 4, Leipzig, 1862, S. 17
(4) Schmeh, Klaus: Versteckte Botschaften: Die faszinierende Geschichte der Steganografie, Heise Verlag, 2. Auflage 2017, Telepolis-Edition
(2) Klüber, Johann Ludwig: Kryptographik. Lehrbuch der Geheimschreibekunst, J. G. Cotta'sche Buchhandlung, Tübingen 1809
(3) Avé-Lallemant, Friedrich Christian Benedikt: Das Deutsche Gaunerthum, Bd. 4, Leipzig, 1862, S. 17
(4) Schmeh, Klaus: Versteckte Botschaften: Die faszinierende Geschichte der Steganografie, Heise Verlag, 2. Auflage 2017, Telepolis-Edition
Der französische Außenminister Charles Gravier, comte de Vergennes (geboren am 20. Dezember 1717 in Dijon, verstorben am 13. Februar 1787 in Versailles) gilt als Erfinder des Verfahrens. Er selbst oder ein mit ihm in Verbindung stehender Autor schrieb in dem 1793 erschienen Buch (nach dem Tod Vergennes, in dem Vergennes selbst als Autor genannt wird) die Details zum Code unter dem etwas sperrigen Titel "Geheime Polizey-Schrift des Grafen von Vergennes: Als ein Beweis der feinen Politik des ehemaligen Kabinets in Versailles unter der Regierung des unglücklichen Königs Ludwigs des Sechszehnten" 


