Ave Maria Code

Herkunft / Verwendung: Den Ave Maria Code hat Johannes Trithemius (1462-1516, eigentlich Johannes Heidenberg oder Johannes Zeller, auch Johannes von Trittenheim, Johannes Tritheim) ersonnen und 1518 in seiner sechsteiligen Polygraphiae libri sex (Sechs Bücher zur Polygraphie) veröffentlicht.

Der Ave Maria Code ist eine Methode der Steganografie. Das heißt, die Hauptabsicht ist hier nicht das Verschlüsseln, sondern das Verbergen beziehungsweise Tarnen der geheimen Information.

Mit dem Ave-Maria-Code kann ein geheimer Text in einem unverfänglich aussehendem Gebetstext versteckt werden. Für einen Mönch seiner Zeit ist es, gerade in einem Kloster, nicht unüblich gewesen, sakrale Texte mit wiederholenden Wörter immer und immer wieder zu rezitieren, auch als eine Art von Meditation; manchmal auch als Sühnemaßnahme.

Ave Maria ist die Bezeichnung eines Grundgebets, dass auf lateinisch mit eben "Ave Maria" (zu deutsch "Gegrüßet seist du, Maria") beginnt. Es ist ein Gebet der römisch-katholischen, der altkatholischen und anderer Kirchen der westlich-lateinischen Tradition zur Anrufung Marias, der Mutter Jesu. Das Ave Maria gehört zu den meistgesprochenen Gebeten der Christenheit nach dem Vaterunser. Da auch beim Ave Maria immer wieder das selbe Gebet wiederholt wird, erhält der Ave-Maria-Code dessen Namen.

Der Ave-Maria-Code ist allerdings sehr viel weniger komplex im Aufbau wie das Ave-Maria-Gebet. Es kennt für die 24 buchstaben des altlateinisches Alphabetes nur jeweils zwei Worte: ein Substantiv, dass für "Gott" eingesetzt werden kann, und ein Adjektiv, dass die "Göttlichkeit" beschreibt, also insgesamt 48 Wörter, die allesamt lateinisch sind.

Da die lateinische Sprache zu Zeiten von Trithemius nur Gelehrte sprachen, würde sich ein Gebetstext nach dem Ave-Maria-Code für einen Außenstehenden nur als Gebet, als Lobpreisung des Herren anhören. Langsam beim gemeinsamen Gebet vorgetragen würde ein Eingeweihter aber den wahren Text erkennen können.

Selbstverständlich läßt sich der Ave-Maria-Code auch auf andere Sprachen als lateinisch portieren. Aber heutzutage hat ein gewöhnlicher Zuhörer wieder genügend Abstand zu lateinisch, dass er den Code wohl als lateinisch erkennen würde, aber schnell als altertümlich, christlich und unbedeutend ignorieren würde ohne näher nachzuforschen, ob er denn eine geheime Botschaft enthält.

Es sollten nur kurze Geheimbotschaft mit dem Ave-Maria-Code steganografisch versteckt werden, weil das Endprodukt, das "Gebet" bzw. der Klartext pro Buchstabe win Wort benötigt und schnell lang wird.

Da das Hauptaugenmerk beim Ave Maria Code auf dem "nicht entdeckt werden" liegt, sollte auch auf den richtigen Kontext geachtet werden. Besteht keine religiöse Beziehung zwischen den Kommunizierenden, wird das "Gebet" schnell verdächtig. Heutzutage reicht eine kurze Internet-Recherche, um die verwendeten Wörter zu finden und das Verfahren zu entdecken. Der Ave Maria Code ist deshalb heute als sehr unsicher zu bezeichnen.

Beschreibung des Verfahrens

Wie in der untenstehenden Tabelle gezeigt, gibt es für jeden Buchstaben des Geheimtextes, den man verstecken will, ein Substantiv und ein Adjektiv. Alle Substantive sind Synonyme für Gott auf latenisch. Alle Adjektive sind lobpreisende Beschreibungen für Gott.

Eventuell nicht in der Tabelle "moderne" latenische Buchstaben werden zuvor ersetzt: J durch I und V durch U.

Es wird mit dem Substantiv begonnen, das dem ersten Geheimbuchstaben entspricht. Für den zweiten Geheimbuchstaben wird das entsprechende Adjektiv hergenommen. Danach folgt eine Trennung mit einem Komma. Für den Rest der Geheimbuchstaben wird dies wiederholt. Es wechseln sich also immer Substantiv und Adjektiv ab. Der Satz wird mit einem Punkt abgeschlossen. So wird aus KRYPTOGRAFIE zum Beispiel
Illuminator incompraehensibilis, pastor fortissimus, redemptor gloriosus, consolator incompraehensibilis, deus excelsus, iudex magnus.
Dieses Gebet würde auf deutsch übersetzt bedeuten:
Unbegreiflicher Aufklärer, mächtiger Hirte, glorreicher Erlöser, unbegreiflicher Tröster, hoher Gott, großer Richter.
Die Kodierung erfolgt umgekehrt: Es werden die Wörter aus der Tabelle gesucht, z. B. das K für "Illuminator" und der Reihe nach werden die Geheimbuchstaben niedergeschrieben, so dass sich wieder der Geheimtext ergibt.

Umsetzungstabelle



Bst. Substantiv Adjektiv A Deus clemens B Creator elementissimus C Conditor pius D Opifex piissimus E Dominus magnus F Dominator excelsus G Consolator maximus H Arbiter optimus I Iudex sapientissimus K Illuminator inuisibilis L Illustrator immortalis M Rector aeternus N Rex sempiternus O Imperator gloriosus P Gubernator fortissimus Q Factor sanctissimus R Fabricator incompraehensibilis S Conseruator omnipotens T Redemptor pacificus U Auctor misericors X Princeps misericordissimus Y Pastor cunctipotens Z Moderator magnificus W Saluator excellentissimus

Beispiel

Geheimtext:KRYPTOGRAFIE
Ave-Maria-"Gebet":Illuminator incompraehensibilis, pastor fortissimus, redemptor gloriosus, consolator incompraehensibilis, deus excelsus, iudex magnus.
Zu deutsch etwa:Unbegreiflicher Aufklärer, mächtiger Hirte, glorreicher Erlöser, unbegreiflicher Tröster, hoher Gott, großer Richter.

Code / Chiffre online dekodieren / entschlüsseln bzw. kodieren / verschlüsseln (DeCoder / Encoder / Solver-Tool)



Quellen, Literaturverweise und weiterführende Links